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Präventive Wirkung gegen Neusensibilisierungen

Des Roches et al.1 führten 1997 eine Studie bei 44 Kindern unter 6 Jahren mit Asthma und einer Monosensibilisierung gegen Milben durch. Die Patienten wurden auf zwei Gruppen verteilt. Die eine Gruppe erhielt 3 Jahre lang eine Immuntherapie, die andere keine solche Behandlung. Am Ende der Studie wiesen die Autoren nach, dass die Zahl der Neusensibilisierungen bei den mit einer Immuntherapie behandelten Kindern signifikant niedriger war als bei denen, die keine Immuntherapie erhalten hatten.

Eine prospektive offene Studie wurde 6 Jahre lang bei 134 Kindern im Alter von 5 bis 8 Jahren mit Asthma und einer Monosensibilisierung gegen Milben (D. pter und/oder D. far) durchgeführt.2 Eine Gruppe von 75 Patienten erhielt 3 Jahre lang eine Immuntherapie und eine Gruppe von 63 Patienten nur eine
Pharmakotherapie. Nach Ablauf von 6 Jahren wurden die Patienten auf verschiedene Aeroallergene getestet. Die Ergebnisse zeigten, dass 75 % der Patienten, die eine Immuntherapie erhalten hatten, keine Neusensibilisierung aufwiesen, dagegen nur 33 % der Patienten, die lediglich eine Pharmakotherapie erhalten hatten. 

Purello-d'Ambrosio3 veröffentlichte 2001 eine retrospektive Studie über mehr als 8000 Patienten mit Asthma mit oder ohne begleitender Rhinitis und einer Monosensibilisierung gegen ein Aeroallergen (Milben, Gräser, Parietaria, Ölbaum, Betulazeen, Korbblütler). Diese Patienten waren 1980 bis 1999 ärztlich betreut worden. 7182 von ihnen hatten 4 Jahre lang eine Immuntherapie sowie eine Pharmakotherapie erhalten (Gruppe A), die 3 Jahre nach Ende der Immuntherapie fortgesetzt wurde. Eine andere Gruppe von 1214 Patienten hatte 7 Jahre lang nur eine Pharmakotherapie erhalten (Gruppe B).

 
Die Ergebnisse zeigten Folgendes:

- Nach 4 Jahren betrug der Anteil der Patienten mit einer Mehrfachsensibilisierung in Gruppe A 24%, in Gruppe B dagegen 86%.

- Nach 7 Jahren betrug dieser Prozentsatz in Gruppe A 27% und in Gruppe B 77%. Die Spiegel der spezifischen IgE nahmen in Gruppe A ab und stiegen in Gruppe B an. Im Vergleich zu den Patienten, die nur eine Rhinitis hatten, hatten die Asthmatiker ein höheres Risiko für eine Mehrfachsensibilisierung.

  
Tabellarische Zusammenfassung der Daten aus den Studien von Des Roches, Pajno und Purello-D'Ambrosio :


Prozentsatz neu aufgetretener Sensibilisierungen nach Behandlung mit einer Immuntherapie bzw. keiner solchen Behandlung bei anfänglich monosensibilisierten Patienten.

Autoren

%mit Immuntherapie behandelter Patienten mit Neusensibilisierungen

% nicht mit Immuntherapie behandelter Patienten mit Neusensibilisierungen

Signifikanz- Niveau

Des Roches
(1997)

54 %
(n* = 22)

100 %
( n = 22)

P ‹ 0,001

Pajno
(2001)

25 %
(n = 69)

67 %
( n = 54)

P ‹ 0,0002

Purello-D'Ambrosio
(2001)

27 %
(n = 7182)

77 %
(n= 1214)

P ‹ 0,0001

Die Ergebnisse dieser Arbeiten zeigen, dass die Immuntherapie das Auftreten allergischer Neusensibilisierungen hemmt. Eine bei monosensibilisierten Patienten frühzeitig begonnene Immuntherapie reduziert das Auftreten neuer Sensibilisierungen signifikant (die bei Rhinitis und Asthma ein Aggravationsfaktor sind).

Dieses Ergebnis ist auf die immunmodulierende Wirkung der Immuntherapie auf die Th2-Zytokine zurückzuführen, die auch eine Abnahme der Aktivität allergischer Entzündungszellen an der Haut, in den Bronchien und in der Nase bewirkt.

1 Des Roches A, Paradis L, Menardo JL et al. - Immunotherapy with a standardized dermatophagoides pteronyssinus extract.VI. specific immunotherapy prevents the onset of news sensitization in children. J Allergy Clin Immunol 1997; 99: 450-453.
2 Pajno GB, Barberio G., De Luca Fr., Morabito L., Parmiani S. Prévention par l'ITS de nouvelles sensibilisations chez des enfants asthmatiques monosensibilisés aux acariens. Etude de suivi de 6 ans. Clin Exp Allergy 2001, 31; 1392-1397.
3 Purello-D'Ambrosio F et al. Prévention de nouvelles sensibilisations chez les sujets monosensibilisés traités ou non par immunothérapie spécifique. Etude rétrospective. Clin Exp Allergy 2001, 31; 1295-1302.